Pfarrkirche

Vom Dom, dem Gotteshaus der Kirchenfürsten nur durch den Alten Friedhof getrennt, ist die Brixner Pfarrkirche die Kirche der Bürger.

Geweiht wurde der Vorgängerbau der heutigen Kirche im Jahr 1038 von Bischof Hartwig. Diese erste Kirche muss man sich als schlichtes, rechteckiges Gebäude mit runder Apsis an der Ostseite vorstellen. Es war ein Sakralbau im Stil der ottonischen Zeit. Den Ottonen verdankt sie auch ihren Patron, den Erzengel Michael. Dieser war seit der siegreichen Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld 955 Schutzpatron des Reiches. Die Truppen Kaiser Ottos I. hatten unter einem Banner des Hl. Michael gekämpft. Die byzantinische Prinzessin Theophanu, Gattin Ottos II. und einflussreiche Mutter Ottos III., förderte die Verehrung des Erzengels, die ja ursprünglich ja aus de griechischen Osten kam, weiter. Ihr verdankt der Brixner Domschatz auch die sogenannte Albuinkasel, ein liturgisches Gewand aus purpurfarbenem byzantinischen Adlerstoff, einem Teil der Mitgift Theophanus.

Der Nachfolgebau dieser ersten Kirche wurde später im gotischen Stil errichtet und sieht von außen im Wesentlichen heute immer noch aus wie damals: Ein spätgotischer Bau aus grauen Granitquadern mit Spitzbogenfenstern. Der Innenraum hingegen hat sein Erscheinungsbild radikal verändert. 1757/58 wurde er im barocken Stil umgestaltet. Joseph Hautzinger aus Wien, der bereits an der Ausmalung des Domes beteiligt gewesen war, schuf die Fresken, die die Gewölbe des Kirchenschiffes ausfüllen. Das Bild am Hochaltar, das den Erzengel Michael darstellt, wie er Luzifer in die Hölle stößt, stammt vom Jesuiten Andrea Pozzo aus Trient, die Engelfiguren, die den Altar flankieren, von Johann Perger.

Kreuzzieher

Hervorzuheben ist der linke Seitenaltar im Kirchenschiff, der die Kulisse für die ehemals in der Vorhalle stehende "Kreuzziehergruppe" bildet. Diese Gruppe von Holzskulpturen aus der Zeit um 1450 zeigt Jesus, der das Kreuz auf der linken Schulter trägt und dabei mit ausdrucksstarkem, schmerzvollem Blick den Betrachter anschaut, und Simon von Cyrene, der ihm hilft, das Kreuz zu tragen. Abgesehen vom künstlerischen und religiösen Wert dieser Gruppe ist die Figur des Simon auch als Quelle für das Leben der Menschen in der Entstehungszeit der Skulptur interessant; Simon trägt nämlich zeitgenössische Kleidung, zeigt dem heutigen Betrachter also, wie ein Brixner des 15. Jahrhunderts ausgesehen hat.

 

Literatur:

Gruber, Karl: Pfarrkirche St. Michael Brixen, Lana 1987