Liebe Pfarrgemeinschaft!

Die Fastenzeit hat begonnen. Diese österliche Bußzeit dient der Vorbereitung auf

die Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Mit dem Satz „Kehrt um und

glaubt an das Evangelium!", haben wir am Aschermittwoch das Aschenkreuz

erhalten. Dieser Satz fordert zu einer Kehrtwende, zu einem Neubeginn auf.

Dabei geht es weniger um das Besondere und Außerordentliche, schon gar nicht

um asketische Sonder- und Spitzenleistungen, sondern darum, wieder den

Anschluss an das Wesentliche des christlichen Lebens zu finden. Verzicht, Gebet

und Werke der Liebe sind die klassischen Dinge, auf die in der österlichen

Bußzeit ein besonderes Augenmerk gelegt wird. Alle drei Aspekte sind

aufeinander bezogen, greifen ineinander und ergänzen sich. Gottesdienst und

Menschendienst gehören zusammen. Die Gottesbeziehung drängt zu einer Praxis,

die mit den Nöten und Sorgen der Menschen solidarisch ist. Wie intensiv ist

meine Beziehung zu Gott? Kann sie überhaupt als intensiv bezeichnet werden?

Wird sie etwa nur bei Bedarf aus ihrem Schattendasein geholt? Und wie ist meine

Beziehungen zu den Menschen, mit denen ich im Alltag zu tun habe? Setze ich

das um, was ich im Vaterunser bete: "wie auch wir vergeben unsern

Schuldigern"? oder was uns Jesus ans Herz gelegt hat: "liebt einander, wie ich

euch geliebt habe". Jetzt wäre die richtige Zeit, meine Beziehungen dahingehend

zu beleuchten, umzugestalten, zu verbessern, zu intensivieren. Das ist vielleicht

nicht so einfach, wie ein temporärer Verzicht auf etwas während der Wochen bis

Ostern und hinterher geht es dann wieder weiter wie vorher, aber zielführender

und hoffentlich auch nachhaltiger. Es geht nicht um den Verzicht um des

Verzichtes willen. Die Übungen der Fastenzeit sollen kein Selbstzweck, kein zur

Schau stellen sein und auch nicht nur zur Beruhigung des eigenen Gewissens

dienen, sondern dem Ziel dienen, das am Aschermittwoch im Segensgebet über

die Asche formuliert ist: "Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter

Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen

feiern. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn".

Paul Graber, Diakon